Deutsche Geschäftsbanken bieten CSV- und Excel-Exporte von Kontoauszügen mit sehr unterschiedlicher Qualität an. Die Sparkasse exportiert CSV über S-Connect und das Online-Banking-Portal, die Deutsche Bank unterstützt CSV sowie CAMT.053 XML, Commerzbank liefert MT940 und CSV, ING bietet CSV mit PSD2-API-Zugang, und die Postbank setzt auf MT940-Dateien. Für PDF-Auszüge älterer Banken oder bei manueller Kontoanalyse helfen OCR-Tools und automatische Datenextraktion gleichermaßen. Dieser Artikel beschreibt fünf praxiserprobte Methoden: nativer Bankexport, MT940-Import, PDF-zu-Excel per OCR, PSD2-API-Anbindung und spezialisierte Kontoauszug-Manager für Unternehmen jeder Größe.
Unternehmen verarbeiten monatlich eine Vielzahl von Transaktionen. Die manuelle Kontrolle von Kontoauszügen über das Online-Banking-Portal kostet Zeit und ist fehleranfällig. Excel bietet Filterfunktionen, Pivot-Tabellen und SVERWEIS-Formeln, mit denen sich Zahlungsströme schnell strukturieren und auswerten lassen.
Für Buchhaltung und Controlling sind strukturierte Transaktionsdaten aus mehreren Gründen nützlich:
Je nach Bank und Kontomodell stehen verschiedene Exportformate zur Verfügung. Während CSV-Dateien direkt in Excel geöffnet werden können, erfordern MT940- und CAMT.053-Dateien einen Zwischenschritt. PDF-Auszüge benötigen OCR-Software. Die Wahl der richtigen Methode hängt von der Exportfrequenz, der technischen Infrastruktur und dem verfügbaren Budget ab.
Der direkte Export aus dem Online-Banking ist der schnellste Weg zu strukturierten Transaktionsdaten. Die meisten deutschen Kreditinstitute unterstützen mindestens ein maschinenlesbares Format. Die folgende Übersicht zeigt die Exportoptionen der gängigsten Banken.
Die Sparkassen-Gruppe stellt im S-Banking-Portal und in S-Connect CSV-Exporte bereit. Das Format enthält Buchungsdatum, Valutadatum, Verwendungszweck, Betrag und IBAN des Gegenkontos. Bei einigen Sparkassen ist der Export auf 90 oder 180 Tage begrenzt. CAMT.052 (Tagesumsätze) und CAMT.053 (Monatsumsätze) sind über FinTS/HBCI-fähige Drittanbieter-Software abrufbar.
Das Online-Banking der Deutschen Bank exportiert Transaktionen wahlweise als CSV oder als CAMT.053-XML-Datei. CAMT.053 ist der europäische ISO-20022-Standard für Kontoauszüge und enthält strukturierte Feldinformationen wie IBAN, BIC, Referenznummern und End-to-End-IDs. Die CSV-Datei lässt sich ohne Konvertierung in Excel öffnen. Achten Sie beim Import auf das korrekte Trennzeichen (Semikolon) und die Zeichenkodierung (UTF-8 oder Windows-1252), da falsche Einstellungen Sonderzeichen korrumpieren.
Commerzbank-Kunden exportieren Kontoauszüge als MT940 oder als CSV. MT940 ist das SWIFT-Standardformat für Kontoauszüge und wird von Buchhaltungsprogrammen wie DATEV, Lexoffice und sevDesk direkt importiert. Für die Weiterverarbeitung in Excel ist ein Konvertierungsschritt erforderlich, den spezialisierte Aggregator-Tools automatisch übernehmen.
ING stellt CSV-Exporte im Online-Banking bereit. Die Exportdatei enthält neun Spalten: Buchung, Valuta, Auftraggeber/Empfänger, Buchungstext, Verwendungszweck, Kontonummer, BLZ, Betrag und Gläubiger-ID. Über die PSD2-konforme API ermöglicht ING Entwicklern den direkten Abruf von Transaktionsdaten per OAuth 2.0.
Postbank-Kunden exportieren Umsätze im MT940-Format oder als CSV. Nach der Integration der Postbank in die Deutsche-Bank-Gruppe wurde das Online-Banking schrittweise vereinheitlicht. CAMT.053 ist über FinTS-Verbindungen abrufbar, sofern das Kontomodell dies unterstützt.
Die DKB bietet CSV-Export mit einer ähnlichen Spaltenstruktur wie die ING. FinTS/HBCI ist für DKB-Geschäftskonten freigeschaltet, sodass Kontenaggregator-Tools wie MoneyMoney (39 EUR Einmalkauf) Transaktionen automatisch abrufen und in strukturierte Formate exportieren können.
Die genossenschaftliche Bankengruppe exportiert über das VR-Banking-Portal CSV, MT940 und CAMT.053. Der verfügbare Exportzeitraum variiert je nach Regionalbank, beträgt in der Regel aber bis zu 18 Monate rückwirkend.
N26 bietet im Business-Konto CSV-Exporte an. Ein nativer MT940-Export ist nicht verfügbar; für Nutzer von DATEV oder ähnlichen Systemen ist daher ein Konvertierungsschritt erforderlich. Die CSV-Datei kann direkt in Excel importiert werden und eignet sich für die manuelle Auswertung.
Holvi richtet sich an Freiberufler und kleine Unternehmen und exportiert Transaktionen als CSV sowie als PDF. Ein PSD2-API-Zugang ist für Entwickler in der Holvi-Entwicklerdokumentation beschrieben.
Praktischer Hinweis für den Excel-Import: Öffnen Sie Excel, wählen Sie "Daten" > "Aus Text/CSV" und laden Sie die Exportdatei. Stellen Sie das Trennzeichen auf Semikolon ein und prüfen Sie das Datumsformat. Bei Datumsangaben im Format TT.MM.JJJJ wählen Sie "DMJ" in der Spaltenformatierung, damit Excel die Werte korrekt als Datum erkennt und nicht als Text behandelt.
Banken ohne strukturierten CSV- oder MT940-Export liefern Kontoauszüge ausschließlich als PDF. Für ältere Kontoverbindungen, archivierte Auszüge oder Banken mit eingeschränktem digitalem Exportangebot ist OCR (Optical Character Recognition) die einzige Möglichkeit, Tabellendaten maschinell auszuwerten.
Bewährte Tools für den Unternehmenseinsatz:
Die OCR-Methode hat Grenzen: Handgeschriebene Vermerke, schlechte Scanqualität und unregelmäßige Tabellenformate reduzieren die Erkennungsgenauigkeit. Nach dem Import sollten Sie Endsalden und Gesamtbeträge stichprobenartig gegen den Originalkontoauszug prüfen, um Übertragungsfehler frühzeitig auszuschließen.
Seit dem Inkrafttreten der Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 im Jahr 2018 sind Banken in der EU verpflichtet, Drittanbietern über standardisierte Schnittstellen Zugang zu Kontodaten zu ermöglichen, sofern der Kontoinhaber sein Einverständnis per Zwei-Faktor-Authentifizierung erteilt.
Für technische Teams bietet die direkte API-Anbindung klare Vorteile gegenüber manuellen Exporten:
finAPI ist ein in Deutschland weit verbreiteter PSD2-Aggregator, der Konten von über 3.500 Banken und Kreditinstituten anbindet. Die API liefert Transaktionen im JSON-Format. Mit Python und der pandas-Bibliothek lassen sich diese Daten in wenigen Zeilen in eine Excel-Datei überführen:
import pandas as pd
# Transaktionsliste aus der finAPI-Response
df = pd.DataFrame(transactions)
df.to_excel("kontoauszug_2026.xlsx", index=False)
Voraussetzungen für die PSD2-API-Anbindung sind ein Vertrag mit einem zugelassenen Aggregator wie finAPI, eine SCA-fähige Authentifizierung des Kontoinhabers sowie je nach Anwendungsfall die entsprechenden regulatorischen Genehmigungen. Für reine interne Auswertungen innerhalb des eigenen Unternehmens ist in der Regel kein eigenes AISP-Zertifikat erforderlich, wenn ein zugelassener Dienstleister zwischengeschaltet ist. Für Unternehmen, die Transaktionsdaten mehrerer Bankverbindungen konsolidiert auswerten, reduziert diese Methode den manuellen Aufwand erheblich.
Buchhaltungssoftware mit integrierter Bankanbindung ist für viele Unternehmen der pragmatische Mittelweg zwischen manuellem CSV-Export und selbst entwickelter API-Anbindung. Der Vorteil: Transaktionen werden automatisch importiert, Kategorien vorgeschlagen und monatliche Berichte generiert.
DATEV Unternehmen online unterstützt MT940- und CAMT.053-Import sowie den direkten FinTS/HBCI-Abruf. Transaktionen werden automatisch Buchungskonten zugeordnet und können als XLSX in die weitere Verarbeitung exportiert werden.
sevDesk (ab 17,90 EUR/Monat) verbindet sich über FinTS oder PSD2 direkt mit dem Bankkonto. Eingehende Transaktionen werden in der Buchhaltung erfasst und können jederzeit als Excel oder CSV exportiert werden. Die Bankanbindung unterstützt alle gängigen deutschen Kreditinstitute.
Lexoffice (ab 12 EUR/Monat) bietet eine Bankanbindung über PSD2. Transaktionen lassen sich Belegen zuordnen; der Export als CSV oder XLSX ist in allen Tarifen enthalten. Für kleine Unternehmen und Freiberufler ist Lexoffice aufgrund des günstigen Einstiegspreises eine verbreitete Wahl.
MoneyMoney (39 EUR Einmalkauf, macOS) ist kein Buchhaltungsprogramm im eigentlichen Sinne, aber ein leistungsstarker Kontenaggregator. Er ruft Transaktionen via FinTS/HBCI oder PSD2 ab und exportiert diese als CSV, Excel oder im OFX-Format. Das Tool eignet sich besonders für Steuerberater und Unternehmen, die Konten bei mehreren Banken in einer Oberfläche konsolidieren möchten.
Spezialisierte Kontoauszug-Manager kombinieren Datenextraktion, Kategorisierung und Auswertung in einem Produkt. Sie sind besonders geeignet für Teams, die Transaktionsdaten ohne manuellen Exportschritt in einer kollaborativen Umgebung auswerten möchten.
Lido (29 USD/Monat) ist eine datenbankbasierte Tabellenkalkulationslösung, die PDF-Kontoauszüge per OCR verarbeitet, CSV-Dateien importiert und Transaktionsdaten in strukturierten, relationalen Tabellen speichert. Formeln, Diagramme und automatisierte Reports lassen sich direkt in der Plattform erstellen, ohne Daten manuell nach Excel exportieren zu müssen. Mehrere Nutzer können gleichzeitig auf dieselben Daten zugreifen, was die Zusammenarbeit zwischen Buchhaltung, Controlling und Management vereinfacht.
sevDesk (ab 17,90 EUR/Monat) und Lexoffice (ab 12 EUR/Monat) übernehmen die Rolle eines Kontoauszug-Managers, sobald sie mit einem Bankkonto verbunden sind: Transaktionen werden automatisch importiert, Kategorien werden vorgeschlagen und monatliche Berichte werden generiert. Der Export nach Excel bleibt jederzeit möglich und erfordert nur wenige Klicks.
Die Wahl des richtigen Tools hängt von der Größe des Unternehmens, der Anzahl der Bankverbindungen und den Anforderungen an die Weiterverarbeitung ab. Für Unternehmen mit mehreren Konten und regelmäßigem Analysebedarf amortisiert sich ein Kontoauszug-Manager in der Regel innerhalb weniger Monate durch eingesparte manuelle Arbeitszeit.
CSV ist das direkteste Format für den Excel-Import. MT940 und CAMT.053 sind für Buchhaltungsprogramme optimiert und benötigen einen Konvertierungsschritt, bevor sie in Excel geöffnet werden können. Wenn Ihre Bank CSV anbietet, ist das für die direkte Excel-Auswertung die einfachste Wahl.
Nein, MT940 ist ein proprietäres SWIFT-Textformat und kann nicht direkt von Excel gelesen werden. Sie benötigen ein Konvertierungstool oder eine Buchhaltungssoftware wie DATEV, sevDesk oder Lexoffice, die MT940 importiert und anschließend als Excel oder CSV exportiert.
Das hängt von der jeweiligen Bank ab. Die meisten deutschen Banken stellen im Online-Banking einen Exportzeitraum von 90 Tagen bis zu 18 Monaten bereit. Für ältere Auszüge stellen Banken auf Anfrage PDF-Dokumente aus, die per OCR weiterverarbeitet werden können. Auch bei FinTS-fähigen Programmen ist der Abrufzeitraum je nach Institut begrenzt.
Grundsätzlich ja. Unternehmen können über zugelassene PSD2-Aggregatoren wie finAPI auf Kontodaten zugreifen, ohne selbst eine AISP-Lizenz zu benötigen. Der Aggregator übernimmt die regulatorischen Anforderungen. Voraussetzung ist die ausdrückliche Zustimmung des Kontoinhabers per Zwei-Faktor-Authentifizierung (SCA).
Der native Bankexport als CSV ist kostenlos und im Online-Banking enthalten. Für OCR-Konvertierungen fallen je nach Tool zwischen 0 EUR (Tabula, Open Source) und ca. 25 EUR/Monat (Adobe Acrobat Pro) an. Kontoauszug-Manager wie Lido kosten ab 29 USD/Monat, Lexoffice ab 12 EUR/Monat und sevDesk ab 17,90 EUR/Monat. MoneyMoney ist als Einmalkauf für 39 EUR erhältlich und damit für Unternehmen mit stabilem Anforderungsprofil eine kosteneffiziente Option.